3. Permakultur: „Der Wurm ist der Ochs des Gärtners“

Stephan Schwarzbach im Mienbacher Waldgarten mit der Permakultur Expertin Hannelore Zech
Stephan Schwarzbach im Mienbacher Waldgarten mit der Permakultur Expertin Hannelore Zech

Am 30.6.2015 besuchte Stephan Schwarzbach den Mienbacher Waldgarten in Reisbach.

Der Mienbacher Waldgarten wird geführt von Hannelore Zech. Die Permakultur-Beraterin kann damit ihre Familie und die Familie der Pächter ernähren. Außerdem lassen sich einige Produkte im Hofladen verkaufen.

Diese Grundregeln hat Stephan von seinem Besuch mitgebracht:

Aufmulchen. Wenn der Lehmboden keine Muttererde mehr drauf hat, schichtet ein Permakultur-Gärtner organisches Material wie z.B. Blätter darauf, um wieder fruchtbaren Boden entstehen zu lassen.

Der Wurm ist der Ochs des Gärtners. Das heißt, er macht für ihn die wichtige Arbeit des Bodenpflügens, indem er die Bodenschichten miteinander vermischt. Damit ist er ein wichtiger Gefährte in der Permakultur.

Nützlinge helfen beim Gärtnern: Eidechsen, Wiesel, Bienen oder Florfliegen sind wichtige Nützlinge für das Gleichgewicht in der Permakultur. Viele Naturelemente ergänzen sich, so dass man nicht eingreifen muss z.B. mit Pestiziden.

Drei Beispiele:

Wer an Baumscheiben Blumen pflanzt, lockt damit Bienen an, die wiederum auch die Fruchtbäume bestäuben.

Majoran schreckt durch seine ätherischen Öle Schädlinge ab.

Eidechsen kommen, wenn Dachziegel um die Beete herumangebaut sind. Darin können sie sich verstecken. Die Dachziegel speichern auch Wärme.

In der Permakultur gibt es 5 Zonen:

(1) Intensivzone: Hier kümmert man sich jeden Tag um das Gedeihen der Pflanzen, z.B. Küchenkräuter.

(2) Im nächsten Kreis: Hühner, Beeren, Früchte. Hannelore Zech hat hier weiß-schwarz gefleckte Deutsche Sperber (Hühnerart) und zwei Hängebauchschweine. Sie leben zusammen in symbiotischer Landwirtschaft: Die Schweine beschützen die Hühner, wenn der Fuchs kommt.

(3) Extensiv-Zone. Hier pflanzt man und erntet man, ohne dazwischen zu pflegen. Auch Bäume gehören in diese Zone.

(4) Streuobstwiesen. Die Obstbäume erhalten keine Beschneidung, man lässt sie einfach wachsen.

(5) Wildnis: Hier tut man einfach nichts. Die Natur macht alles alleine. Diese Zone sollte 20% des Gartens ausmachen.

Die Motivation von Hannelore Zech für den Permakultur-Garten fand Stephan besonders spannend:

Sie sagt: Die Welt würde verarmen, wenn all das Wissen verloren geht. In der industriellen Fertigung ist jeder allein. Die Permakultur als Gegenmodell bietet ein Miteinander, z.B. in Gemeinschaftsgärten mit bereichernden Gesprächen. Begeistert erzählte sie von Modellen wie Transition Town Initiativen und Tauschkreisen. Sie möchte mit ihrer Beratung und ihrem Gärtnern die Zukunftstauglichkeit der Welt für die Kinder sichern und ihr Wissen weitergeben.

Sie selbst erhielt ihr Wissen von ihrer Oma und ihrer Großtante und aus Kräuterbüchern. Hannelore Zech findet den Austausch mit Älteren sehr nützlich: Vor allem Russland-Deutsche und Rumänen-Deutsche haben wertvolles altes Wissen, das verloren geht, wenn man nicht miteinander spricht.

Hannelore Zech hat mit der Permakultur ganz klein angefangen: Auf ihrem Balkon. Später hat sie mit 1000 m2 ihre Familie versorgt. Sie ist überzeugt: 100 m2 Permakultur-Garten würden zur Versorgung für eine Person reichen, wenn man dort Gemüse und Beeren anbaut.

 

Hintergrund:

Mienbacher Waldgarten
Permakultur in Niederbayern: In einem Waldgarten leben die verschiedensten Arten nebeneinander und ergänzen sich sinnvoll.

Der Mienbacher Waldgarten wird seit 2010 von Hannelore Zech bewirtschaftet. Als Floristin und Kräuter-Gärtnerin mit Permakultur-Zusatzausbildung baut sie dieses Gelände als Beispielgarten für Familienlandsitze, Naturgärten und Selbstversorgergärten.

In das Gartengelände sind auch ökopädagogische Elemente eingearbeitet, wie z. B. der Barfußpfad, der Wurmschaukasten, die wesensgemäße Bienenhaltung, der Schweinetraktor, die Nutztier-Arche, etc.

In einer Selbstversorger-Akademie geben Hannelore Zech und weitere ReferentInnen das ganze Wissen rund um die Selbstversorgung weiter.
Hannelore Zech betreibt außerdem den Internetladen www.waldgartenprodukte.de mit Produkten wie Räuchermischungen.

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